Interview mit Zelyon

Das Interview führte Nowaja, ein etablierter Musikkritiker für die ernstzunehmende Musik der etwas härteren Gangart. Sein Gesprächspartner war Thorsten, der für das Fundament innerhalb der Stücke sorgt.

Das Gespräch war keineswegs geplant, sondern beruht auf einer Zufallsbekanntschaft in der S-Bahn. Ich betrat gerade die Bahn, die zu Beginn des Berufsverkehrs übermäßig voll war. Wie es aussah, sollte ich keinen Sitzplatz mehr bekommen. Ein freundlicher junger Herr stand auf, und bat mir seinen Sitzplatz an. Ich bedankte mich, und wunderte mich innerlich, denn ganz so alt sehe ich mit meinen Augenringen und Krähenfüßen ja nun doch nicht aus.

Nun saß ich da, wollte gemütlich meinen heißen Kaffee aus dem Plastikbecher schlürfen, und der freundliche Herr, der mir eben seinen Sitzplatz angeboten hat, wurde von Passanten verbal zurechtgewiesen. "Ob er denn nicht seinen Walkman leiser stellen könne" herrschte ihn eine ältere Mitbürgerin an.

Ich muß zugeben: der Krach aus seinen Ohrenstöpseln war fast in der ganzen Bahn zu hören.

So kam es, daß er seinen MP3-Player leiser stellte, die Ohrenstöpsel entnervt herausnahm, und gelangweilt in der Gegend herumschaute. Ich sprach ihn, trotz seines ernsten Blickes, entschlossen an, und im Laufe der Zeit entwickelte sich ein nettes Gespräch.

Er sei Musiker, und gerade auf dem Weg zu seinem eigentlichen Job, der für ihn in erster Linie die Sicherung seines Lebensunterhaltes darstellt.

Einem richtigen Interview ist er nicht abgeneigt, ich kann gerne vorbeikommen.

Vorab drückte er mir eine CD in die Hand, damit ich mir schon mal einen Eindruck von der Musik verschaffen kann.

Von wegen Musik! Wenn die Jungs losrocken, geht es richtig ab.

Lange Rede, kurzer Sinn: der Interview-Termin steht, und als kleinen Opener habe ich zwei Six-Packs Oettinger mitgebracht.

Nowaja: Thorsten, danke für Deine Kommunikationsbereitschaft. Metaller sind ja ansonsten eher zurückhaltend.

Thorsten: Moment mal, wo ist denn der Flaschenöffner? Hast Du Kippen mit?

Ach so, na klar, ich rede gerne mit Journalisten. Schau mal, das einzelne Wort ist ein wichtiger Bestandteil eines Romans. Genauso ist die einzelne Note ein wichtiges Bestandteil einer Symphonie.

N: Du willst doch eure brutalen Harmonien, welche ihr bei Zelyon spielt, nicht mit Klassik vergleichen?

T: Mit Klassik gewiß nicht. Du solltest wissen, daß viele Heavy Metaller eine klassische Ausbildung haben, und sich sehr sicher in der Harmonielehre sind.

N: Eure soliden Grundlagen sind mir in der Tat aufgefallen. Insbesondere die doppelläufigen Gitarrenparts sind überzeugend. Tobias scheint ein sehr akkordsicherer Gitarrist zu sein.

T: Das Spiel von Tobias ist absolut souverän. Was mich immer wieder wundert: auch bei den schwierigsten Läufen bleibt er völlig cool, und wirkt fast ein wenig distanziert.

N: Den schwierigsten Part hat wohl Marco. Denn mit diesem Gesang, der einen sehr schnell an heftigsten Trash- und Deathmetal erinnert, und der das gesamte Publikum zum moshen bringt, ist es gewiß nicht einfach, im Timing zu bleiben.

T: Manchmal verstehe ich selbst nicht, was er singt.

N: Auf eurem Debütalbum Zelyon gibt es eine Stelle (bei Track 2), wo es sich anhört, als ob euer ansonsten perfekter Drummer ein wenig hinterherhinkt.

T: Ach, Du meinst bei ”Zelyon Sword”, ab ca. 02:30. Der Typ ist einfach nur genial. Er war so voller Enthusiasmus, daß ihm der Stick zerbrochen war, und er mit einem Stick weiterspielen mußte. Daher die kleine Schwankung im Timing.

N: Du meinst, er hat mit einem Stick weitergespielt, und die Aufnahme war im Kasten? Eine perfekte Leistung. Manchmal hört man auch, wenn er diese eingestreuten Synkopen spielt, daß er eine klassische Ausbildung hat, oder vielleicht sogar in einer Bigband spielt.

T: Stimmt. Er ist der jüngste bei Zelyon, und bringt eine Menge Energie rein.

N: Du selbst bist für den Bass verantwortlich, richtig?

T: Hört man das nicht?

N: Es gibt immer wieder Stimmen von Kritikern, die der Meinung sind, daß man auf Bassisten verzichten kann. Außerdem sieht es auf einigen Bilder so aus, als würdest Du mit einer Attrappe spielen. Irgendwas fehlt an Deinem Bass.

T: Da fehlt nichts, lediglich die Stimmschrauben befinden sich am Body. Mir gefällt einfach dieses schlanke Erscheinungsbild. Schau mal, ich habe recht kleine - aber kräftige - Finger. Deshalb ist der Hals schmaler. Wie Du schon richtig erkannt hast, ist es eine Sonderanfertigung. Der Hals ist sehr schmal, die EMG-Tonabnehmer verfügen über eine aktive Klangregelung. Da ich gerne slappe, für mich ein unverzichtbares Detail.

N: Zu Deiner Vorliebe fürs Slappen gehört gewiß auch eure Vorliebe für Jazzharmonien. Insbesondere die Wechsel von düsterer Mollharmonik auf erfrischende Dur-Septimenakkorde wirken erfrischend wie die aufgehende Sonne.

T: Genau deshalb hatten wir uns schon mal die Attribute "Happy Metal" ausgedacht. Letztendlich war mit dieser Bezeichnung allerdings keiner zufrieden. Trotz der Funk-Elemente paßt der Begriff "Happy" nicht so ganz zu "Metal"

N: Wenn ich mir das erste Stück “Poison is the cure” anhöre, denke ich bei dem brachialen Gesang eher an In Flames.

T: Jepp, da steckt eine Menge Energie drin. So heftig, daß ein Take sogar komplett übersteuer war, so hat Marco in das Mikrofon gebrüllt. Mit spitzen Ohren kannst Du bei Track 1 bei 02:32 den Schnitt hören.

N: Gibt es von euch auch Live-Bilder und Videos?

T: Klar! Gehe auf unsere Website, da findest Du zahlreiche Photos und Videos

N: Vielen Dank für das Interview, ich würde mich freuen, demnächst mehr zu erfahren.

 

 

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